immergrün! energie - immerfair!...

...oder: meine Erfahrungen mit immergrün!

In den letzten Jahren habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, meine Energie-Versorger jährlich zu wechseln. Zum Einen belebt Konkurrenz das Geschäft (mit den daraus resultierenden Preisvorteilen für die Kunden), zum Anderen kann man dann i.d.R. einmalige Boni kassieren (endlich mal nicht nur die Bankster).

In diesem Jahr wollte ich zu immergrün! wechseln. Die werben mit grünem (in meinem Fall Windkraft-) Strom zu Preisen, "bei denen Sie nicht rot sehen".

Also gut, der Vertrag wurde schnell online per VERIVOX abgewickelt. Folgende Vertragsinhalte sollten gelten:

  • Verbrauchspreis: 21,03 Cent/kWh
  • Grundpreis: 8,36 Euro/Monat (100,36 Euro/Jahr)
  • Bonus: 25 % Neukundenbonus
  • Zusatzkosten: keine
  • Kaution: keine
  • Preisgarantie: 12 Monate eingeschränkte Preisgarantie
  • Zahlungsweise: monatlich
  • Vorauskasse: nein
  • Vertragslaufzeit: 12 Monate
  • Verlängerung: 12 Monate
  • Kündigungsfrist: 6 Wochen

Kurze Zeit später bekam ich dann (per e-Mail) den Stromliefervertrag von immergrün! zugeschickt. Versorgungsbeginn sollte der 1.1.2013 sein.

Dann kam die Erhöhung der EEG-Umlage dazwischen. Zur Erinnerung: mit dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien wird die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen zu garantierten Einspeisevergütungen geregelt. Da gab es in der Vergangenheit schon mehrfach Erhöhungen. Für 2013 wird die EEG-Umlage, die alle Kunden zur Finanzierung der Eneuerbaren Energie zu zahlen haben, von derzeit 3,592 auf dann 5,277 Cent/kWh erhöht. Das sind 1,685 Cent/kWh oder 46,9% mehr. Nun gut. Meine "eingeschränkte Preisgarantie" erlaubt das Durchreichen dieser Erhöhung. Na ja, geht ja noch...

Dann kam die e-Mail von immergrün! mit dem Betreff: "Strompreiserhöhungen 2013 – Ihr Abschlag bleibt gleich". Der Kundenservice sende das anliegende Informationsschreiben zur Kenntnis. Schön dachte ich mir. Dass es sich dabei um massive Vertragsänderungen handelte, war schön versteckt.

Da wurde zunächst mit "Weihnachtszeit ist Zählerzeit" abgelenkt und später: "Erhöhte EEG Umlage - doch Ihr Abschlag bleibt gleich!". Dank innovativer Energiebeschaffungsmechanismen sei es gelungen, die Abschläge unverändert zu halten. Schön! Dann kommt Kleingedrucktes in einem Mammut-Absatz ohne Punkt und Komma. Schließlich wieder ein kerniger Satz: "Totale Preisgarantie bis 2014!" und man verlose 2 iPads mini.

Den dicken Absatz habe ich mir dann genauer angesehen - eigentlich hatte ich nichts Besonderes mehr erwartet. Alles war bereits gesagt. Weit gefehlt: man könne sich der Weitergabe der Zuschläge nicht völlig entziehen: mein Tarif erhöhe sich auf 28,15 Cent/kWh ab 1.1.2013. Das steht so mitten drin; kann man schnell übersehen. Das ist wohl auch so gedacht gewesen. Vorher wird aufgelistet, welche Umlagen überhaupt zu welchen Kosten anfallen.

Da sei zunächst einmal die EEG-Umlage von 5,277 Cent/kWh. Dann wird die neue Umlage nach §19 Abs. 2 StromNEV 0,329 Cent/kWh betragen. Die neu geschaffene Offshore-Umlage (§17 f EnWG-E) wird auf 0,25 Cent/kWh beziffert und die Abgabe Kraft-Wärme-Kopplung wird 0,126 Cent/kWh ab 2013 betragen. Diese 5,982 Cent/kWh würden nun weitergereicht.

Es wird so getan, als wären diese 5,982 Cent neu und nun auch neu umzulegen. Kein Wort darüber, dass lediglich die Erhöhungen (von 3,592 auf 5,277 Cent (EEG), von 0,151 Cent auf 0,329 Cent (§ 19 StromNEV bzw. 0,002 Cent auf 0,126 (KWK-G) ) zu Kostensteigerungen führen. Die neue Offshore-Umlage wird mit max. 0,25 Cent/kWh diskutiert und ist noch gar nicht durch den Bundesrat!

Von den 5,982 Cent Erhöhung bleiben nach Berücksichtigung der Änderung lediglich 1,987 Cent bzw. 2,237 Cent (Offshore-Umlage nach Bundesrat) übrig. Das sind Netto-Beträge. Brutto: max. 2,662 Cent/kWh. Somit müsste mein Arbeitspreis auf max. 23,69 Cent/kWh brutto und nicht auf 28,15 Cent/kWh steigen.

Man kann den Geschäftsführern von immergrün! wohl eine ausgeprägte Dyskalkulie (Rechenschwäche) bescheinigen. Damit befürchte ich für die Zukunft das Schlimmste für immergrün! Man denke da an die Geschäftspraktiken von TelDaFax. Auch die hatten wohl Probleme mit der Kalkulation...

Mir stünde eigentlich bei der Erhöhung von Steuern und Umlagen kein Sonderkündigungsrecht zu. Aber bei immergrün! schon: großzügigerweise darf ich innerhalb von 14 Tagen kündigen. Na ich möchte den Richter sehen, der aufgrund dieses Vertragsbruches ein Sonderkündigungsrecht verweigerte...

Mehrfaches Anrufen bei immergrün! (01805-er Nummer) war erfolglos: immer besetzt! Auf meine e-Mail wurde nicht geantwortet. Folgendes hatte ich geschrieben:

Ihr Schreiben v. 14.11.2012



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin ab 1.1.2013 Neukunde bei Ihnen.
In Ihren o.g. Schreiben kündigen Sie an, ab 1.1.2013 den Stromarbeitspreis
auf 28,15 Cent/kWh anzuheben.

In Ihrer Vertragsbestätigung vom 9.10.2012 ist ein Arbeitspreis von 21,03 Cent/kWh
angegeben. Die Erhöhung ist also höher als die in o.g. Schreiben angegebenen
5,982 Cent/kWh und erst recht höher als die Umlageerhöhung von 1,69 Cent/kWh.
Das verstehe ich nicht! Auf Ihrer Website bieten Sie meinen Windkraft6-Tarif zu
22,58 Cent/kWh an - und da ist die erhöhte EEG-Umlage bereits enthalten!

Bitte klären Sie mich auf!

Ich erwarte kurzfristig eine konstruktive Antwort von Ihnen.



Gruß
Dieter Liebl

Ich denke, die suchen Dumme. Erst wird mit einem vermeintlich günstigen Tarif mit Neukunden-Bonus geworben. Dann wird mit Rechenschwäche angepasst und dieser Kundennachteil im Textwirrwarr versteckt. Wenn der Kunde es merkt: ok, dann lassen wir ihn gehen. Merkt er es nicht: um so besser.

Man könnte nun sagen, dass 28 Cent minus 25% Bonus immer noch ein guter Preis sei. Aber: das Vertrauen ist weg. Wer weiß, mit welchen fragwürdigen Tricks sie als Nächstes aufwarten. Nicht mit mir!

Fair sieht anders aus! Das Versprechen von immergrün!, nicht "rot" zu sehen, haben sie nicht erfüllt. Ich habe ob solcher Dreistigkeit sehr wohl rot gesehen - und diesen Artikel verfasst.

Mein Tipp: immergrün! meiden. Es gibt reichlich redliche Firmen. Ich habe die fristlose Kündigung ausgesprochen und per Einschreiben mit Rückschein verschickt und warte nun auf die Bestätigung. Mal sehen...

[Update:] Heute kam die e-Mail, das Schreiben vom 14.11.2012 sei gegenstandslos: man habe mich einer falschen Kundengruppe zugeordnet und unzutreffende Preisänderungen mitgeteilt! Weiter seien die Preiserhöhungen falsch kalkuliert worden (Rechenschwäche...). Und nun würden lediglich solche Preiserhöhungen weitergereicht, die der Gesetzgeber bereits heute unweigerlich zum 1.1.2013 festgelegt habe. Kurz: mein Arbeitspreis erhöhe sich um 2,365 Cent/kWh auf 23,39 Cent/kWh. Es folgt eine Auflistung der einzelnen Erhöhungen. Diesmal korrekt. Die Offshore-Umlage ist nicht mehr gelistet.

Mein monatlicher Abschlag erhöht sich um 5€. Was mich am neuen Schreiben irritiert: man wisse bereits heute exakt die Kosten für 2014! Haben die eine Glaskugel? Und dann taucht der ominöse Arbeitspreis von 28,15 Cent/kWh wieder auf...

[Update2:] (Hoffentlich) Letzter Stand: immergrün! hat meine Kündigung aufgrund des Schreibens vom 14.11.2012 und meines Einschreibens bestätigt! Da sie das Schreiben nachträglich als gegenstandslos erklärt haben hatte ich vermutet, meine darauf beruhende Kündigung sei ebenfalls gegenstandlos. Nein, nicht bei immergrün! Ich bin also frei und kann mich in ein neues Abenteuer stürzen. Wer weiß, vielleicht finden Sie in Kürze einen neuen Beitrag unter www.liebl-net.de/pranger.

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